Eggenburg: Die Ausfahrt mit dem Zebrabus
Nachdem wir schon länger überlegen, uns einen Vereinsbus anzuschaffen, hatten wir nun tatsächlich ein Modell entdeckt, das unseren (bescheidenen) finanziellen Vorstellungen halbwegs entsprach, und mit dem Besitzer bzw. Verkäufer in spe ausgemacht, dass wir es für die Fahrt nach Eggenburg ausleihen, um es so gleich Probe zu fahren. Nun, als Bert mit dem Vehikel zur Abfahrtszeit vor dem Lager ankam, war sogleich klar, warum der Bus halbwegs billig zu verkaufen war: Das Teil war exakt so alt wie ich (25 Jahre!!), hatte einen undichten Tank und der Benzin musste mit einem Bleizusatz versetzt werden. (O-Ton Oli: nach dem Betanken hat sich der Wert des Busses verdoppelt).
Nun gut da mussten wir durch, immerhin – Platz für unser ganzes Gepäck hatten wir ausnahmsweise mehr als genug. Von den Benzindämpfen (ich möchte in diesem Bus nicht mit geschlossenem Fenster fahren müssen) noch etwas high erreichten wir nach einer gemütlichen Stunde fahrt, die ich sehr lustig fand (Oli weniger, aber er war ja auch der Fahrer dieses Monsterbusses und mehrmals beinahe am auszucken), endlich Eggenburg und machten uns an den Aufbau.
Dieser war, wie böse Zungen behaupten ganz und gar dreynschlagtypisch, von technischen (Guhls Kegel hat einfach eine Bahn zuviel) und menschlichem Versagen (Hälfte aller Heringe sind bereits eingeschlagen, Stimme von innen: “Ähm, gehören diese Zacken da nicht eigentlich nach außen…“), begleitet. Und dafür, dass wir sämtliche Hämmer und zwei Zeltstangen fürs Sonnensegel vergessen hatten, waren dafür Harrys Zeltstangen bereits zum zweiten Mal überflüssigerweise auf einem Lager mit. So etwas nennt man dann ausgleichende Gerechtigkeit … aber wenn man eine Stange zuwenig hat, dann behilft man sich auch schon mal schnell mit einem wehrlosen Denkmal (Improvisation war ja seit jeher unser zweiter Vorname).
Dreieinhalb Stunden und einige Frustrationsbiere später, hatten wir es dann aber endlich geschafft und konnten uns ausschließlich dem gemütlichen Teil des Freitagabends widmen. Für die meisten von uns endete der Abend relativ früh, da wir uns pflichtbewusst für den um 9.30 angesetzten Unzug ausschlafen wollten, lediglich Oli, Basti und Billy fielen noch beim Metstand ein, waren aber dennoch am nächsten Tag in einem passablen Zustand und 9.30 war sowieso für alle Beteiligten irgendwie zu früh…
Der Samstag brachte überraschender Weise Hitzekollapse hervorrufende Temperaturen mit sich, und wir traten zwei Mal auf dem von Schatten nicht gerade verwöhnten Grätzl am Hauptplatz Eggenburgs auf, wobei wir einmal unsere beliebte (oder, wie freche spitze Zungen behaupten, seit Jahrhunderten ewig gleiche, doch trotzdem – so ehrlich muss man sein – beim Publikum hervorragend ankommende) Fechtvorführung inklusive Sichel und Sense, beim zweiten Mal aber wieder „back to the roots“ gingen und eine kleine Schaukampfgeschichte mit vielen Blödeleinlagen zeigten. Nun, der ganze Tag und beide Auftritte verliefen unproblematisch (auch ich hab das Herzklopfen vor meinem ersten Auftritt überstanden [und sie hat sich sehr wacker geschlagen, im wahrsten Sinne des Wortes – Anm. Oli]), und der Abend exzessiver als der vorige. Enzi und ich hatten uns mit rauen Mengen Rosenwein eingedeckt und die Metstandfraktion hatte aus praktischen Erwägungen Met mitsamt Standler diesmal gleich zum Lager mitgebracht.
Oli, übernahm aus diesem Grund am nächsten morgen während dem Umzug die „Lagerwache“, während Billy sich noch nicht mal rührte (na gut, sie war auch zeitgleich mit einem Schandgesellen die allerletzte die auf dem gesamten Fest schlafen gegangen war)
Überraschenderweise waren die Sonntagsauftritte trotzdem noch besser als die vom Samstag, und auch – und das kann als die größte Überraschung des Wochenendes gewertet werden – der Abbau war (vielleicht auch wegen eines drohenden Wolkenbruches) in einer halben Stunde erledigt, sodass wir noch vor Einbruch der Dunkelheit mit unserem Zebrabus heimtuckern konnten.
Ein schöner Abschluss der Saison, kann ich da nur sagen.
Iale

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